Streckenführung - Planung - Kosten - Navigation - Deutschlands Vielfalt - Nachbarländer - Empfehlungen

 

Fazit und Resümee

pedalo - ergo sum

 

Die Idee war für mich sofort ansteckend, die Durchführung grandios! Ich bin sehr glücklich, dass ich das Projekt angepackt, durchgeführt und vollendet habe. Ich kann es nur zur Nachahmung empfehlen!

Streckenführung

Alleine zu reisen ist überhaupt kein Problem. Man findet genügend Kontakte unterwegs und ist auch ganz schön mit sich selbst beschäftigt! Mein gelungener Auftakt der Strecke Freiburg - Königssee war die Droge für die weiteren Strecken. Allerdings war das Wetter logischerweise nicht immer so traumhaft wie zu Beginn. Eigentlich kann man, wenn man eine Frostbeule wie ich ist, die Strecken nördlich der Linie Aachen - Passau nur im (Hoch)sommer fahren. Manchem Nachahmer mag aber auch eher vor Hitzetagen wie im Juli 2015 grauen! Mir gefällt dieses "Jan-Ullrich-Wetter". Regen hatte ich an 15 von 50 Tagen. Sehr gute Regenausrüstung muss also sein!

Meine anfängliche Überzeugung, gegen den Uhrzeigersinn zu pedalieren, muss ich revidieren. Ich empfehle die andere Richtung! Im norddeutschen Flachland von Emden bis Swinemünde bläst ein heftiger Wind in der Regel aus West oder Nordwest. Das sind immerhin ca. 1.800 km, für die man sich diesen scharfen Wind/Sturm nicht als Gegenwind zumuten sollte. Für mich "Scharzwälder Bergziege" war der Wind in Norddeutschland die eigentliche Herausforderung, nicht die Steigungen in den Alpen, Bayrischer-, Böhmer-, Oberpfälzer Wald, Erzgebirge, Hohes Venn oder Eifel. Es ist ja sowieso erstaunlich, dass man Deutschland mit seinen Mittelgebirgen über 5.000 km umrunden kann mit einer durchschnittlichen Steigung von nur 0,58 %!!!

Spontan oder geplant?

Nachdem ich die erste Strecke - auf den Radweg Bodensee-Königssee vertrauend sogar ohne Karte gefahren war, hat es es sich mehr und mehr bewährt, die Etappen zu Hause mit Karte und Komoot genauer zu planen, auch evtl. Unterkünfte. Zum Schluss hatte ich bei den Unterkünften angefragt, ob ich als Radfahrer meine Buchung im Laufe des betreffenden Nachmittags noch kostenfrei stornieren kann, was mir überall gewährt wurde! Es war immer ein beruhigendes Gefühl, wenn man - auch nach einer Hammeretappe - die gesicherte Unterkunft gezielt ansteuern konnte. Andere machen solche Projekt mit dem Zelt, für mich keine Alternative. Gewicht minimieren! Am Ziel in der Unterkunft die Radklamotten waschen, duschen, regenieren, gut essen war mir wichtig.

Kosten

Billig ist das Unternehmen in meiner Manier nicht. Als Viel- und Gern-Esser waren es im Durchschnitt 100 EUR/Tag. Die An- und Abfahren zu den Ziel- und Endorten schlugen natürlich auch zu Buche. Es gibt junge Leute, die meistern das mit 20 EUR/Tag.

Navigation

Ich bin ganz traditionell nach Straßenkarte 1:200.000 (Generalkarte) und Himmelsrichtung (alter Pfadfinder) gefahren, habe mir den Streckenverlauf am Abend zuvor sehr genau eingeprägt, vor allem neuralgische Punkte. Die letzten 10 Min. vor der Unterkunft bin ich mit Handy-Navigation (Google-Maps oder Komoot) ans Ziel gefahren. Im Vorbeifahren fragte ich immer wieder die Leute "Richtig nach ????". Das Verfahren/Verirren hielt sich in Grenzen. In den meisten Städten verliert bei der Ausfahrt den gesuchten Radweg, eher ein Problem der Beschilderung als eines des Radfahrers. Zur Alternative Radweg oder Straße (??) siehe den Link "Radwege". Unterwegs traf ich viele Radfahrer, die verzweifelt an ihrem Handy hantierten, weil sie die Ortung verloren hatten oder der Akku leer war. Mir war wichtig, zügig "Strecke zu machen" und nicht an jeder Abzweigung stehen zu bleiben.

 

Deutschlands Vielfalt

"Die Leute im Süden haben es gut" schreibt Andres Poppitz aus Chemnitz in seinem Bericht. Da muss ich ihm vollkommen recht geben. Auf der Reise habe ich gespürt, wie sehr ich Süddeutscher bin. Von Aachen bis an den Rand des Erzgebirges - das ist meine Welt: die Landschaft/die Gebirge, das Wetter, die Menschen/die Mentalität und vor allem: das Essen und der Wein!
Zu über 90 % sind mir die Menschen äußerst freundlich begegnet. Ich möchte das aber gerne differenzieren:

  1. Die Schleswig-Holsteiner bekommen die Krone, gefolgt von
  2. den Niedersachsen,
  3. den Rheinland-Pfälzern,
  4. den Bayern

Neben einigen eher neutral zu bewertenden Bundesländern ist die "silberne Zitrone" ganz klar an die Menschen in 2 Bundesländern zu vergeben:

  1. Mecklenburg-Vorpommern
  2. Sachsen

("Geht nischt / wees isch nischt" waren hier Standard-Aussagen.)

Essay: Wie ich die Nordrhein-Westfalen erlebte

Es sind viele, ca 17 Mio., mehr als die Niederländer. Dennoch machen sie sich auswärts nicht so bemerkbar wie die Schwaben. Sie bleiben eher daheim: Balkonien und Kneipe um die Ecke.
Sie sind sich selbst genug, dabei aber tolerant, gelassen, sehr gesellig. Manchmal auch aggressiv: "Dat is Fußgängerzone! Wat issen dat fürn Arschloch!" Sie reden, besser quasseln viel (und Unnötiges), manche, vor allem Frauen ohne Abstellknopf. Sie sind laut, vor allem als Herdentier.
Sie leben ungesund: Nikotin, Alc, Currywurst, Chips, Fritten, viel Mayo. Von Wein verstehen sie nichts, vom Bier alles. No sports. Entsprechend sind die Körper: adipös. Sie reden über Krankschreibung. Sie sind humorvoll, im Sinne der BILD ("meine Schwiegermutter ..."). Viele Tätowierungen bei Frau und Mann, auch in meiner Kohorte. Er: Typ LKW-Fahrer. Sie: Typ Imbissbude. Sie sind hemmungs- bis schamlos. Grenzwertige Spitzenkleìder auf fülligem Körper. Fußballexperten. Die typischen Deutschen? Eher liberal-sozialistisch als konservativ-ordentlich. Gebildet? Hilfsbereit! Redundant.
In vielem den Ossis so verwandt (Kleinbürgertum), aber doch ganz anders: Gelassenheit statt Gejammere.

 

Kulinarisch hat sich für mich das schon bekannte Süd-Nord-Gefälle bestätigt. Auch in der Qualität der Radwege (>>) gab es heftige Unterschiede.

 

Die Nachbarländer

F CH A CZ D PL DK NL LUX

Entsprechend dem Konzept "scharf an der Grenze entlang" bin ich gerne auch auf grenznahen Straßen der benachbarten Staaten gefahren. Alle 9 Nachbarländer habe ich besucht, z. T. mehrfach, habe dort gegessen und in vieren übernachtet (Frankreich, Polen, Niederlande, Belgien). Es waren überwiegend gute, z.T. umwerfend großartige Begegnungen. Auch hier gibt es ein Freundlichkeits-Ranking:

Willkommenskultur neutral Ablehnung
  1. Belgien: phantastisch
  2. Niederlande: großartig
  3. Tschechien: kurios ( 1 >, 2 >, 3 >, 4 >)
  4. Polen
  5. Frankreich
  • Dänemark
  • Österreich
  1. Luxemburg (Wasser verweigert)
  2. Schweiz (Zurechtweisung)

 

Empfehlungen: Was soll man besuchen/besichtigen?

Übersicht gerankt

große Städte kleinere Städte Landschaften Unterkünfte, Restaurants
  1. Lübeck
  2. Passau
  3. Trier
  4. Aachen
  5. F-Straßburg
  6. CH-Basel
  7. Freiburg
  1. A-Salzburg
  2. Bad Tölz
  3. Murnau
  4. Görlitz
  5. Stralsund
  6. Konstanz
  7. Wismar
  8. Lindau
  9. Burghausen
  10. Zittau
  11. F-Weißenburg
  12. CZ-Eger
  13. CZ-Franzensbad
  14. Waldsassen
  15. Bad Muskau
  16. Frankfurt/O.
  17. Papenburg
  18. Husum
  19. Plön
  20. Eckernförde
  21. Cuxhaven
  22. Büsum
  23. Meppen
  24. Glücksburg
  1. Königssee/Watzmann
  2. List-Ellenbogen (Sylt)
  3. Isenbruch
  4. Großer Arber
  5. Kreidefelsen Rügen
  6. Usedom
  7. Hiddensee
  8. B-Vennbahn
  9. Alpsee
  10. Tegernsee
  11. A-Walchsee
  12. CZ-Bucina / Moldauquelle
  13. Kugelbake Cuxhaven
  1. NL-Roerdinkhof
  2. Erbgericht Bad Schandau
  3. Enoiteca Rothenburg
  4. Rosengarten Ückermünde
  5. Bad Rain Oberstaufen
  6. Gästehaus Seebüll
  7. Torhaus Brunsbüttel
  8. Il Casale Wismar
  9. Sonneneck Zwiesel
  10. Waldbahn Zwiesel
  11. Fisch-Hüs Westerland
  12. Kapitänshäuser Breege
  13. Cheval Noir F-Kilstett
  14. Airbnb Eckernförde
  15. Airbnb Glücksburg
  16. DJH Brüggen

 

© 2013-2016 Michael Seeger Mail an M. Seeger update 13.07.2016